Einführung

 

Arciorgano, Foto: Susanna Drescher

Nicola Vicentinos (1511-1576/77) erstmals 1555 in Rom erschienener Traktat L’antica mvsica ridotta alla moderna prattica (‚Die antike Musik eingerichtet für die moderne Praxis‘) ist schon vielfach und in ganz unterschiedlicher Hinsicht musikwissenschaftlich ausgewertet worden. Nur in einem zentralen Punkt fehlen bislang konkrete Forschungen, obwohl gerade dieser auf dem Titelblatt explizit genannt wird. Dort heisst es: Et con l’inventione di vno nvovo stromento, nelqvale si contiene tvtta la perfetta mvsica, con molti segreti mvsicali (‚Und mit der Erfindung eines neuen Instrumentes, welches die vollständige perfekte Musik enthält, mit vielen musikalischen Geheimnissen‘). Tatsächlich beschreibt Vicentino detailliert ein Tasteninstrument (Archiorgano wie Arcicembalo) mit jeweils 31 Tonstufen pro Oktave, mit deren Hilfe eine ‚perfekte Musik‘ aufzuführen ist.

Save the date: Arbeitstagung als Abschluss des Forschungsprojekts, Konzerten und Fachbeiträgen des Forschungsteams und internationalen Gästen. 

23. November 2017, Abend, Gare du Nord Basel, Konzert mit dem Vokalensemble Domus Artis und dem Arciorgano

24.-25. November 2017, Musik-Akademie Basel, Tagung

Clavemusicum Omnitonum, Foto: Markus Krebs

 

Das von der Commission for Technology and Innovation (CTI) geförderte Forschungsprojekt ‚Studio31‘ (Forschungsabteilung der Hochschule für Musik Basel, in Kooperation mit der Schola Cantorum Basiliensis) wird genau diese Forschungslücke schliessen, in dem ein Orgelpositiv und ein Cembalo mit 36 bzw. 31 Tönen in der Oktave gebaut werden. Als Instrumente orientieren sie sich an Vorlagen aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert, zusätzlich sind sie jedoch mit Sensoren, Selbstspiel-Technik und einer digitalen Schnittstelle ausgerüstet. Damit erschliessen sie nicht nur musikpraktisch ein bis heute weitgehend unbeachtetes ‚vieltöniges‘ Repertoire, sondern sie bereichern auch das Instrumentarium für zeitgenössische Musik um mikrotonale Tasteninstrumente. Entsprechend dokumentiert das Forschungsprojekt nicht nur ein historisches Repertoire und seine Aufführungspraktiken, sondern interessiert sich auch für aktuelle und neuartige Verwendungsmöglichkeiten. Zudem wird der konkrete Einsatz in der Ausbildung an einer Musikhochschule erkundet.

Weitere einführende Informationen: siehe hier.