Arcitastiera: ein konkreter Entwurf

Bernhard Fleig hat den ersten Entwurf der Klaviatur in einem beweglichen Funktionsmodell stark weiterentwickelt. Von diesem neuen Modell ausgehend haben wir weitere kleine Verbesserungen ausarbeiten können, die nun in die Pläne für die Klaviatur des Arciorgano einfliessen werden.

 

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Organi di legno

Im 1561 publizierten Werbeblatt zum Arciorgano heisst es in der Beschreibung des Instruments in Zeile 8: „Tutte le canne son fatte di legno accioche stia lungo tempo accordato, e renda dolce intonatione;“ (Alle Pfeifen sind aus Holz gemacht, damit das Instrument die Stimmung lange halte und eine liebliche <‚dolce‘> Intonation habe.) Demnach handelt es sich bei dem Arciorgano um ein organo di legno, das in zeitgenössischen Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts öfters genannt wird, heute aber weitgehend in Vergessenheit geraten ist und meist durch eine Orgel mit gedackten Holzpfeifen ersetzt wird. Dieser Post stellt einige der Quellen dieses speziellen Orgel-Typs zusammen.

Schedoni: Santa Cecilia

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Klaviatur Arciorgano: Umfang und Teilung

Zur Tasten-Anordnung und der genauen Geometrie der Tasten wurden bereits zwei Modelle angefertigt. Das erlaubte es uns, die Gestaltung der Klaviatur zu optimieren und die Greifbarkeit möglichst flexibel zu machen. Das erste Modell ist hier dokumentiert, das zweite hier.

Unabhängig von diesen Überlegungen und Optimierungen muss entschieden werden, welchen Umfang die Klaviatur haben soll.

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Prototyp-Pfeife für das tiefe C ist fertig

Nach der Umrechnung der Mensur der Orgel in der Silbernen Kapelle in Innsbruck hat sich gezeigt, dass die Mensuren für die Pfeifen der tiefsten Oktave markant weiter sind als die bisher geplanten. Würden wir diese Mensuren übernehmen, würde das Instrument voraussichtlich breiter werden, was wir vermeiden wollen. Nun hat Bernhard Fleig das tiefe C mit etwas verengten Mensuren gebaut, um zu prüfen, ob sie immer noch gut anspricht und voll klingt.

Die Prototyp-Pfeife liegt in der Mensur etwa zwischen einer konventionellen Pfeife und der Innsbrucker Pfeife. Sie spricht zuverlässig an, überrascht aber durch einen eher leisen Klang. Der nächste Schritt besteht darin, den Pfeifenmund etwas breiter zu machen.

Stimmbarkeit der Pfeifen

Orgeln haben üblicherweise feste Stimmungen, die kaum je geändert werden. Dies gilt zumindest für grosse Orgeln und für historische Orgeln, weniger für heutige portable Instrumente. Denn Truhenorgeln werden häufig in sehr unterschiedlichen Umgebungen eingesetzt und sind deshalb so eingerichtet, dass ihre Tonhöhe und ihr Stimmungs-System angepasst werden können.

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Das Problem der Mensuren

Nachdem die Prototyp-Pfeifen restlos überzeugten, die Bernhard Fleig nach Vorlage der Orgel in der silbernen Kapelle in Innsbruck gebaut hat, stellt sich nun die Frage nach der Mensurierung.

Im Bass-Bereich sind die Innsbrucker Pfeifen markant weiter als konventionell gebaute Holzpfeifen, und im Diskant sind sie deutlich enger. Der einzige Weg scheint eine möglichst genaue Kopie der Innsbrucker Mensuren zu sein. Alle relevanten Abmessungen sind in publiziert.

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Forschungstreffen 3./4. September

Am 3. und 4. September 2015 trafen sich Christopher Stembridge und Marco Tiella mit der Forschungsgruppe von Studio31 und weiteren Gästen, um über offene Fragen rund um die konkrete Planung des Arciorgano zu sprechen. Diese Diskussionen bilden den Abschluss der Planungsphase des Instrumentes.

Forschungstreffen

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Prototyp I – kurz vor dem ersten Klang

Der Prototyp I ist eine kleine Orgel mit 15 Pfeifen, mit der verschiedene Experimente durchgeführt werden können, die zu einem Teil relevant für die Hauptorgel sind und zum anderen Teil Ideen der Kompositionsklasse von Johannes Walter prüfen sollen. Am Ende soll dieser Prototyp als Ergänzungsmodul zur Hauptorgel funktionieren können, um zusätzliche Tonhöhen zur Verfügung zu stellen.

Prototyp I

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Das Projekt Studio31

Studio31 ist ein Forschungsprojekt der Hochschule für Musik Basel in Kooperation mit der Schola Cantorum Basiliensis, mit einer Finanzierung durch das KTI. Das Projekt läuft für rund zwei Jahre ab Juni 2015. Im Zentrum des Projekts steht die Entwicklung einer enharmonischen Orgel mit 36 Tasten pro Oktave und eines enharmonischen Cembalos mit 31 Tasten pro Oktave.

Klaviatur 3D

 

Das Design der Instrumente beruht auf Quellen und Instrumentenbau-Traditionen des 16. und 17. Jahrhunderts. Der wichtigste Autor im Bereich der enharmonischen Musik und des entsprechenden Instrumentariums ist Nicola Vicentino, dessen Traktat L’antica musica ridotta alla prattica moderna zahlreiche Generationen von Komponisten, Theoretikern und Instrumentenbauer beeinflusst hat.

Von den beiden Instrumente ausgehend wird im Rahmen von Studio31 auch der musikgeschichtliche Kontext erforscht. Wer kannte Vicentinos Instrumente? Wer spielte darauf? Welche Musik entstand im Umfeld solcher Instrumente? Woher nahm Vicentino seine Idee? Wie hat er musikalisch gearbeitet?

Ein weiterer zentraler Aspekt des Forschungsprojekts ist die Anwendung im Bereich der zeitgenössischen Musik. Die enharmonischen Klaviaturen sind einerseits bequem zu spielen, da sie auf dem Layout einer konventionellen Klaviatur aufbauen, andererseits stellen sie aber auch unzählige neue Intervalle innerhalb der gewohnten Hand-Spanne zur Verfügung. Wie kann man kompositorisch damit umgehen? Wie weit wird das kompositorische Denken von konkreten Greif- und Denkweisen beeinflusst?

Um die Verbindung zu einem Aufführungskontext der Neuen Musik leichter zu gestalten, werden beide Instrumente mit Sensoren und Selbstspiel-Einheit ausgestattet, was die musikalischen Möglichkeiten nochmals vergrössert.

Das Forschungsprojekt widmet sich auch konkreten Anwendungsbereichen: Einstudierung und Aufführung historischer Stücke, Entwicklung zeitgenössischer Werke, Einsatz in der Ausbildung von Musikern.

Dieser Blog ist eine Materialsammlung und eine Dokumentation der Arbeiten rund um das Forschungsprojekt.

Funktionstests für das Wellenbrett

Das Wellenbrett unseres Arciorgano muss prinzipiell drei mal so viel Wellen beherbergen wie das Wellenbrett einer konventionell gebauten Orgel, denn 36 Tasten pro Oktave sind drei mal 12. Damit das Wellenbrett nicht unverhältnismässig hoch wird, muss es so kompakt wie möglich gebaut werden.

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Modell: doppelstöckige Windlade

Ein Arciorgano funktioniert prinzipiell wie jede konventionelle Orgel, mit dem Unterschied, dass sie 36 statt 12 Tasten pro Oktave hat. Damit verdreifacht sich auch die Anzahl der übrigen mechanischen Teile: Abstrakten, Wellen, Ventile, Kanzellen. Um die Probleme, die durch diese Erweiterung entstehen, auf den Punkt zu bringen, führten wir mit Bernhard Fleig eine Vorstudie durch.

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Ein erstes Modell der Arciorgano-Klaviatur

Von Vicentinos Bauplanen ausgehend, fertigte Bernhard Fleig ein schlichtes Modell an, das die Distanzen und die prinzipielle Greifbarkeit sichtbar und fühlbar macht.

Das Resultat ähnelt naheliegenderweise stark der Klaviatur von Marco Tiella’s Rekonstruktion von Vicentinos Archicembalo. Obwohl im Klaviatur-Modell die Tasten nicht beweglich sind, lässt sich bereits beobachten, dass die Höhen-Staffelung zu grossen Distanzen in den Griffen führt und grosse Bewegungen verlangt. Ausserdem bildet die zu kleine Lücke zwischen den Obertasten ein Hindernis bei Griffen, die beide Manuale involvieren.

 

Eine kompaktere Höhenstaffelung und eine Verschmälerung der Obertasten sind deshalb auf der Wunschliste für ein weiteres Klaviaturmodell.

(Ergänzung: dieses neue Klaviaturmodell wird hier beschrieben. Ein vergleichbarer Entwurf existiert auch für das Clavemusicum omnitonum, siehe hier. Überlegungen zum Umfang der Klaviatur befinden sich hier.)

Workshops und Seminare vor „Studio31“

Bis im Sommer 2015 fanden zahlreiche Workshops, Seminare und Konzerte statt, die in ihrer Summe den Ausschlag gaben, das Forschungsprojekt „Studio31“ ins Leben zu rufen. Dieser Post fasst diese Aktivitäten zusammen.

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